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Theater
machen im Jemen – als das Deutsche Haus Sanaa
& Aden vor 3 Jahren zum ersten Mal eine kleine Theaterproduktion,
"Schiller unter den Räubern" mit Intendant Matthias Friedrich,
vorstellte, wurde schnell klar:hier schlummert Talent! Trotz
allen Charakters von studentischem Theater, den die damalige
Produktion gehabt haben mag, gab es deutliche Zeichen, die sonst
so serenen, den landesüblichen Gebräuchen entsprechend
reservierten meist männlichen Mitwirkenden wollten gefordert,
aus sich herausgelockt werden, um sich in Rollen wahrzunehmen,
bislang unbekannte Seiten darzustellen und zu zeigen.
Es gibt nicht viele Theaterproduktionen, die man in der
jemenitischen Öffentlichkeit wahrnimmt, auch wenn immer wieder
einzelne themenorientierte Aufführungen zu Familienplanung,
Wasserknappheit und Qat-Konsum durch das Land tournieren.
Sie alle belegen, dass es nicht mehr gesellschaftlich anstößig
ist, dieses für eine Kultur mit einer eingeschränkt ausgeprägten
Lesekultur umso wichtigere Medium des Schauspiels zu betreiben,
und als Schauspieler – und Schauspielerin – zu wirken. Theater
hat einen untrüglichen sogenannten karthatischen,
selbstreinigenden Effekt, hält Gesellschaften einen Spiegel vor,
möchte unterhalten, aber auch belehren und zur Einsicht mahnen.
Als anthropoligische Konstante dient es auch als Ventil, Dinge
dort zu überspitzen, wo sie im öffentlichen Diskurs sonst keinen
Platz haben.
Daher ist es eine glückliche Koinzidenz, dass Hr. Mohamed Qassab,
Leiter der 22.Mai-Theatergruppe in Hodeidah, vom Charakter eines
Tartuffe, dieses von einer dem Deutschen Haus nahestehenden
Persönlichkeit, Dr. Hamied Al-Iriani vorgeschlagene Stück
aufgegriffen hat und nach eigener Manier von der klassischen,
langen Textfassung zu einer kurzen, und extrahierten
Theaterfassung adaptierte, mit dem Stoff arbeitete und ihn zu
dem machte, was wir gemeinsam präsentiert bekommen. Kein
leichtes Ansinnen, bemessen an der Komplexität des Stoffes und
der komplexen geschichtlichen und zeitgenössischen Situation.
Daher lud das Deutsche Haus einen deutschen Theaterfachmann, mit
arabischem Hintergrund, ein: Herr Zuheir aus der Stadt Erlangen
ein, der für die erwünschte Synthese zum deutschen Theater sorgt.
Aus einem Land mit einer breiten, professionalisierten
Theaterszene, mit einem breiten Berufsfeld mit mehr als 50
verschiedenen Berufen gesehen ist es wichtig, aktuelles
Fachwissen zu teilen und gleichzeitig Möglichkeiten für den
weiteren kulturellen Austausch von Theatermachern herzustellen.
Im Zentrum steht dabei die Phantasie, die Herausforderung, aus
Worten Inszenierungen entstehen zu lassen, einen noch so
unwirtlichen Raum mit Witz und Geist und Leben zu füllen. Ich
hoffe, dieses Experiment mag gelingen - Theater ist schließlich
ein öffentliches Gemeingut für uns alle.
Guido Zebisch, Leiter des Deutschen Hauses Sanaa
Die
Aufführung des Theaterstücks "Nathan der Weise"
des deutschen Klassikers Gotthold Ephraim Lessing
ist eine Premiere im Jemen. In der Region wurde das Stück
allerdings schon mehrfach gezeigt, so z.B. in Palästina, Ägypten,
Syrien und Äthiopien, oftmals im gemeinsamen Spiel von
muslimischen, jüdischen und christlichen Mitwirkenden.
Leitgedanke des Stücks ist religiöse und zwischenmenschliche
Tolereranz. Toleranz ist keine politische Vorgabe, sondern eine
individuelle Haltung: Wo beginnt – und wo endet - meine Toleranz
gegenüber Andersgläubigen oder Andersdenkenden? Wie andere
individuelle und persönliche Haltungen ist auch die Toleranz
leicht gefährdet, wenn sie auf dominante Herrschaftsstrukturen
trifft. Dagegen muss sie, genauso wie z.B. die Meinungsfreiheit,
geschützt werden
„Nathan der Weise“ entand Ende des 18. Jahrhunderts in bewegten
Zeiten: Deutschland bestand damals aus einer Vielzahl kleiner
Staaten, die verschiedenen religiösen Konfessionen angehörten.
Toleranz war daher eine notwendige Voraussetzung für das
friedliche Zusammenleben. Deutschland sieht sich heute in der
Tradition dieser klassischen, aufgeklärten Toleranz. Unser Land
hat seine Lehren aus den Diktaturen des letzten Jahrhunderts
gezogen, damit eine tolerante und liberale Gesellschaft
entstehen konnte. Heute wird über die Grenzen der Toleranz
diskutiert.
Ich freue mich daher sehr, dass ein Theaterensemble aus
Hodeidah, die „22. Mai-Theatergruppe“, dieses Toleranzmotiv
aufgreift und das Stück landesweit aufführt. Traditionell ist
der Jemen als sehr tolerant bekannt – mit einer von mehreren
Religionen gezeichneten Gesellschaft, die heute aus einer
Vielzahl von islamischen Konfessionen und auch einer sehr alten
jüdischen Gemeinde besteht.
Das Stück „Nathan der Weise“ ist als pointierte Formulierung der
Toleranzidee auch heute noch von großer Aktualität – in
Deutschland wie im Jemen.
Ich wünsche der „22. Mai-Theatergruppe“ viel Erfolg!
Michael Klor-Berchtold, Botschafter der Bundesrepublik
Deutschland
Die
GTZ fördert Theater – die 22.Mai
Theatergruppe mit "Nathan, dem Weisen" bereits zum zweiten Mal.
Die 22.Mai Theatergruppe hat ihren eigenen Ansatz vom kritischen
Schauspiel: sie nennt sich bewusst nach dem Jahrestag der
Jemenitischen Einheit von 1990 und verfolgt als Ziel, mit ihren
Themen gesellschaftliche Diskussionen und mögliche
Bewusstseinsveränderungen anzuregen.
Im Jahr 2007 wurde mit Mitteln des GTZ-Projekts zur
Konfliktprävention (CPAS) eine Tournee mit einer von der 22.Mai
Theatergruppe verfassten Komödie zur Zivilcourage in Bezug auf
fundamentalistische, terroristische Vereinahmungen von
Jugendlichen mit großem Erfolg durchgeführt. Lokale
Theatergruppen verstehen gesellschaftliche Belange am besten und
können sie auf unverstellte Art aufgreifen. Daher unterstützt
die GTZ das Sprechtheater, auch als Binnen-Kulturdialog, gerade
im arabischen Raum.
In einem Land, in dem ein Großteil der Bevölkerung nicht lesen
und schreiben kann, ist Theater ein vielversprechendes Medium,
Synergien zwischen Entwicklung und Kultur herzustellen. Hiervon
zeugt auch die exzellente Zusammenarbeit mit dem Deutschen Haus
Sanaa & Aden.
Das Medium Theater wird in vielen Ländern im Bereich der
Entwicklungszusammenarbeit gefördert, intensiv im afrikanischen
Raum: Tourneetheater dringt auch in dezentrale Kleinstädte und
ländliche Ortschaften vor, und erreicht – mündlich – eine
Vielzahl von Bevölkerungsgruppen jeden Alters. Die diesjährige
Theatertournee in mehr als acht Orte über den gesamten
Zentraljemen wurde mit Mitteln der GTZ möglich. Auftritte in
Mädchenschulen sind vorgesehen.
Die GTZ setzt auch in Zukunft auf die mediale Kraft des
Theaters, zur Förderung der Kompetenzen lokaler Akteure
Thomas Engelhardt, Landesdirektor
Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), Sanaa
"Cultural
understanding plays a key role with regard to
the cooperation between the European Union and the Arabic world
as a motor for genuine partnership.
The European Union has shown presence when it comes to building
bridges between the Near East and Europe and the European
Commission is therefore pleased to see that a Yemeni theatre
group takes the initiative and prepares a theatre play dealing
with the core of interreligious issues, thus displaying the very
common tolerance and mutual respect that is prevalent in Yemen.
Among the many economic, cultural, social and good governance
related projects, the European Commission is more than happy to
support this Yemeni theater production of "Nathan, the Wise" to
give a chance for better mutual cultural understanding."
Michele Cervone d'Urso, Charge d'Affaires
Delegation of the European Commission
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