Arabian Jazz: Kadenzen und Harmonien. Eine deutsch-jemenitische Jazz-Kombo.

Ein Projekt der Deutschen Botschaft Sanaa mit öffentlicher Probe im Deutschen Haus am 28.September 2005 

Ein Zusammenspiel der anderen Art erfüllte den Saal des Deutschen Hauses acht Tage lang mit Klang. Eigentlich nicht als neuer Workshop, sondern als Wiedereinladung von Jemen-erprobten Musikern geplant, kam dann alles anders: Teresa Gruber aus München und Nikolas Schabel aus Berlin sprangen kurzfristig für ihre Express Brass Band-Kollegen ein und wagten den Sprung in kulturell, nicht unbedingt musikalisch fremde Gefilde. In nur zehn Tagen spielten sie ein Repertoire von jemenitischen und arabischen Stücken durchsetzt von Jazz-Klassikern ein und befruchteten gegenseitig die Akkorde. Anfangs noch zaghaft – eine jemenitische Partie mit Vier-Sechzehntel-Takten, dann wieder ein paar Anklänge aus Posaune und Saxophon, zu brav abwechselnd. Einmal warmgespielt durchmischte sich dann aber doch noch alles. Nach nur fünf Probetagen wurden bereits die Tore zur öffentlichen Probe geöffnet – ein Publikumsrekord im Deutschen Haus, zu dem sicherlich das von der Botschaft entworfene Plakat mit der schönen Rowaida Al-Haj beisteuerte (das sicherlich noch heute das eine oder andere Jugendzimmer in Sanaa schmückt): 120 Personen ! In einer Art von Jazz-Keller-Atmosphäre spielten die sehr greifbaren Stars einmal mehr vor einem mitswingenden überwiegend jungen jemenitischen und arabischen Publikum, das seiner Begeisterung freien Lauf ließ – beides also unplugged. Rowaida Al-Haj, im Rahmen des ersten deutsch-französischen Musik-Ateliers 2003 für das europäische Zusammenspiel entdeckt, mauserte sich mittlerweile zum Star mit Videoclips auf MBC (libanesisches MTV), eigener CD, und bleibt dennoch „zum Anfassen“. Die von der Mutter gedichteten Texte bringen sensibel Gefühle und auch zeitgenössische Beobachtungen zum Ausdruck. Im Aden zur Zeit des Sozialismus aufgewachsen sind sie und ihre Schwester zwei der wenigen unverschleierten Frauen im Jemen und geben sich sehr selbstbewusst („kuluna muslimin“ –mit oder ohne Schleier sind wir doch sowieso alle Muslime). Ihr Auftritt am Folgetag im Haus der Kultur, eine Konzertveranstaltung der Deutschen Botschaft, war bombastisch. Nur für die eine oder andere Jazz-Kadenz hätte ein wenig mehr Klangraum bleiben können, im Sinne eines Heimspiels wuchsen die jemenitischen Musiker – und insbesondere die Sängerin - im Feuer des Beifalls jedenfalls über sich hinaus.