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„Die Ästhetik des
Fastens“ (Ralf Bäcker 2006)
Der
Ramadhan ist im islamischen Kalender weltweit ein ganz
besonderer Monat, und im Jemen einmal mehr. Nirgendwo sonst
ist die Ausrichtung des gesamten Lebens- und Tagesrhythmus
auf das Fasten so stark zu beobachten. Während in vielen
Ländern der arabischen Welt die Uhr während des Ramadhan
normal weiter läuft, ist der Alltag im Jemen von einem
großen Wechsel der tages- und nachtzeitlichen Aktivitäten
geprägt. Das Schlagwort der "Nacht, die zum Tag wird" ist
zwar übertrieben, aber trifft in vielen gesellschaftlichen
Bereichen zu.
Auf der einen Seite gibt es eine starke Besinnung auf die
Familie und die Verwandtschaft, die Kollegen und
Geschäftsfreunde, mit gegenseitigen Besuchen,
Essenseinladungen, und – zum Schlachtfest, dem Ihd Al-Fitr –
einer großen Zahl an Geschenken, insbesondere Kleidung für
alt und jung, groß und klein. Auf der anderen Seite gibt es
das Angebot der Dienstleistungen, das dafür Sorge trägt,
dass allen obigen Bedürfnissen nachgekommen werden kann. So
findet man Parallelen zum dem, was in Europa von den
Weihnachtseinkäufen her bekannt ist: buntes Treiben bis spät
in die Nacht, ein noch bunteres Angebot von unzähligen
erleuchteten Verkaufsständen. Allem gemeinsam ist die
reizüberflutete, dennoch entspannte Atmosphäre, die den
hehren, ergebenen Augenausdruck von tagsüber Fastenden
ablöst: als kollektives Erlebnis ist besonders die Zeit vor
dem Fastenbrechen, wie dieses selbst, von großer
mitmenschlicher Nähe geprägt.
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Yemen
Observer Artikel
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