Kurzer Abriss zur
Entstehungsgeschichte von Al-Qa’a:
Kurze
Entstehungsgeschichte von Sanaa.
Vor dem 9. Jahrhundert
besteht eigentlich nur Klarheit, was die Ortswahl Sanaas auf
einer fruchtbaren Hochebene an einem Flutbett (Al-Saila) mit
Zugang zu einer großartigen Zisterne und in einer vom
Khareef, dem Sommermonsun geprägten geographischen Lage
angeht. Sanaa sei so schon seit dem 5. Jahrhundert A.D. und
früher beidseitig entlang der Saila gelegen, historische
Referenzen einer Einfriedung – so
Lewcock/Costa/Serjeant/Wilson – seien da etwas diffus. In
der Tat ist anzunehmen, dass die Entstehung einer Stadtmauer
in verschiedenen Schüben erfolgte und sich ringartig unter
einer steten Eingemeindung der jeweiligen faubourgs
vollzog. Ähnliches gilt für Aussagen die Tore, Moscheen und
Brücken betreffend – auch sie unterlagen stetem praktischem
Nutzen und damit Wandel. In der zweiten Hälfte des 9.
Jahrhunderts ist von einer Ummauerung Sanaas auszugehen
zwischen Saila, dem Teil südlich der Großen Moschee, und der
Waffenveste (Qasr al-Silah).
Frühislamische Zeit.
In der frühen islamischen Periode sind einzelne der
eingegrenzten Viertel (Al-Filayhi und Al-Quzali, Al-Tawashi)
von Juden und Muslimen, früher noch auch von Christen,
gemeinsam bewohnt worden. Man geht von 1040 Häusern aus, von
denen 35 Juden gehört haben sollen.
„Arabic sources consulted do not confirm
statements by Jewish sources that Jews were compelled to
move from any part of Sanaa until, of course, the Messianic
troubles of the 17th century.”
(Lewcock/Serjeant: 133).
Besonders das al-Qati-Viertel weist im 11. Jahrhundert A.D.
eine höhere Konzentration jüdischer Einwohner auf wie auch
eine eigene Synagoge. Das al-Qati-Viertel gleichwohl wird an
andere Stelle als Armenviertel genannt, mit Gültigkeit für
die Zeit um 1100 A.D. geht man von 1000 Häusern aus, was
einem Viertel der Größe Sanaas entsprochen haben mag.
Erste Türkische Besatzung
(1539 – 1630).
Die Erste Türkische Besatzung (1539 – 1630)
führte zu einzelnen städtebaulichen Veränderungen. Neben dem
Errichten einer Zitadelle und bestimmten baulichen
Befestigungsmaßnahmen ist hier die Nutzung der Gartenstädte
Bir al-Azab und Bir al-Shams als Orte für Sommerhäuser zu
nennen. Die Zeit nach den Türken, die zweite zaiditische
Dynastie, beinhaltet folgendes grundlegendes Ereignis.
Der erste
jüdische Exodus (1676/1679).
Der Imam der
Zeit, Ahmed bin al-Hassan, ordnete die Zerstörung von
Synagogen und ein Gebetsverbot an mit dem Ziel der
Konvertierung der jemenitischen Juden zum Islam. Als diese
sich weigerten, erfolgte die Ausweisung.
„In 1679 the Jews
were expelled from the old city.
After a temporary
sojourn in the Tihamah they were permitted to return to
Sanaa, but not to the old city. Instead they were allowed to
build a Jewish quarter on the western side of Bir al-Azab
next to a village which appears to have been in existence
before this time, al-Bawniyah; the new quarter became known
as Qa’ al-Yahud. It soon had its own suq and fourteen
synagogues, as well as houses ‘as handsome as the best in
Sana’a.’” (Lewcock/Serjeant: 136)
Der
wirtschaftliche Verlust durch die Ausweisung der Juden wird
bald erkannt: ihre Stellung als Händler, Kunsthandwerker,
auch Steuerzahler führt dazu, dass sie zurückkehren können.
Allerdings werden sie gesammelt außerhalb der östlichen
Altstadt in einem neuzuerrichteten Viertel angesiedelt,
al-Qa’a entsteht.
Ein neuer
Stadtteil: „Al-Qa’a“(übersetzt: die Senke, der Grund).
Der neue
Stadtteil wurde mitsamt Bir al-Azab auch von einer neuen,
ausgeweiteten, auch Unterteile des Gebiets doppelt
umschließenden Mauer umgeben und war mit insgesamt sechs
Toren versehen: Bab al-Nizayli, Bab al-Balaqah im Süden, Bab
Qa’ al-Yahud und Bab al-Abilah im Westen, Bab al-Rum und Bab
al-Shiari im Norden. Die Tore sind allesamt nicht mehr
vorhanden, wohl aber werden die Ortsbezeichnungen bei den
Leuten aus dem Viertel weiterhin verwendet. Die als „wide
open spaces“(Lewcock/Serjeant: 137) bezeichneten
öffentlichen Paradeplätze im Norden von al-Qa’a sind heute
zu recht breiten Straßen geworden, der „Solbi/Sulbi“, der
Al-Qa’a und andere Stadtteile in Richtung Altstadt abgrenzt,
heißt heute „Maydan al-Qa’a“, hat eine wenig ansprechende
Parkanlage in der Mitte, an ihm liegt das Außenministerium.
Die Zeit der
Plünderungen.
1851 und 1853
lassen Stadtplünderungen erkennen, die vor allen Dingen die
eingefriedeten Vorstädte Bir al-Azab verwüsten. Auch 1870
ist des Imam Autorität zu schwach, Verwüstungen außerhalb
der Stadtgrenze zu verhindern. Schätzungen der
Bevölkerungszahlen während der
zweiten Türkischen Besatzung (1872 – 1918)
liegen bei maximal 35.000 Personen, wovon ca. 5.200 Juden,
ca. 60 griechische Christen gewesen sein dürften bei einer
Haushaltsstärke von sechs bis sieben Familienmitgliedern.
Auch in der Folgezeit geht man von einem jüdischen
Bevölkerungsanteil von einem Fünftel aus.
An diesem
Verhältnis ändern Belagerungen durch Stämme oder durch Imam
Yahya nichts, Bevölkerungsrückgang ist in der Folge groß.
Man geht von 20.000 Personen 1905 aus, während ab dem Ende
der Türkischen Besatzung 1919 unter Imam Hamid al-Din
die Einwohnerzahl auf 50.000 Personen schnellte.